Das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus soll in die Trägerschaft des Lands übernommen werden. Foto: CTK

Medizinerausbildung in Cottbus beschlossen

Cottbus wird eine von 37 Städten in Deutschland, wo junge Leute Medizin studieren können. Allerdings nicht an der BTU. 

Die Ausbildung von Ärztinnen und Ärzten für Brandenburg wird nicht der BTU Cottbus-Senftenberg anvertraut. Brandenburgs Landesregierung plant das Innovationszentrum Universitätsmedizin Cottbus (IUC) als eigenständige Universität. Einzelheiten gab Wissenschaftsministerin Manja Schüle (SPD) nach der Kabinettssitzung am Dienstag bekannt. 

  • Das IUC soll eng mit der BTU Cottbus-Senftenberg kooperieren. 
  • Es kombiniert die Universitätsmedizin mit einem digital unterstützten Netzwerk der Gesundheitsversorgung in einer „Modellregion Gesundheit Lausitz“. 
  • Das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus soll in die Trägerschaft des Lands übernommen werden. 

Das Konzept soll Ende März an den Wissenschaftsrat zur Begutachtung übergeben werden. Das Ergebnis soll im Frühjahr 2024 vorliegen. Dann könnte die Medizinische Universität Mitte 2024 gegründet werden und die ersten Studierenden 2026 anfangen. 

Das Vorhaben ist eines der teuersten im Strukturwandel der Lausitz. Bis zum Jahr 2038 investieren Bund und Land 2,1 Milliarden Euro für Aufbau und Betrieb der Medizinerausbildung in Cottbus. Dafür sind bis 2035 in Forschung und Lehre 1.300 Stellen eingeplant. Pro Jahr sollen 200 Studienplätzen entstehen. Im Endausbau werden etwa 1.200 junge Menschen in Cottbus Medizin studieren. Medizin ist der mit Abstand teuerste Studiengang. Experten rechnen mit 200.000 Euro Kosten pro Studienplatz. 

Wegen Steuern und Kosten 

Die Kosten waren laut Schüle ausschlaggebend für die Entscheidung, die Medizinerausbildung nicht an die BTU anzudocken. Eine eigenständige Medizin-Universität „erleichtert nicht nur die Lösung einer ganzen Reihe kniffliger steuer-, tarif- und versorgungsrechtlicher Fragen“, so die Ministerin. Beide Einrichtungen könnten sich dank dieser Lösung „künftig auf ihre Stärken konzentrieren und auf Augenhöhe kooperieren“. 

Der renommierte Mediziner Karl Max Einhäupl stimmte zu, dass „eine eigenständige Medizinische Universität die geeignete Struktur“ sei. Einhäupl war von der Landesregierung beauftragt worden, Empfehlungen für eine Medizinerausbildung in Cottbus zu erarbeiten. Der Bericht seiner Kommission liegt seit August 2021 vor. 

Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) zeigte sich zufrieden: „Wenn jetzt die nächsten Hürden genommen werden, bekommt die Region ein neues Markenzeichen, das auch in die sächsische Lausitz ausstrahlen wird. Hier werden junge Medizinerinnen und Mediziner aus dem In- und Ausland ausgebildet, die wir dringend als Nachwuchs in unseren Krankenhäusern und Arztpraxen brauchen.“ 

Weitere Bundesförderung wird sondiert 

Der Bund unterstützt den Aufbau des IUC im Bereich Forschung mit Mitteln aus dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen mit 1,2 Milliarden Euro. Hinzu kommen rund 500 Millionen Euro für Investitionen in Bauten und digitale Infrastrukturen. Außerdem habe man mit dem Bund vereinbart, rechtzeitig vor dem Auslaufen der Förderung Möglichkeiten einer langfristigen Förderung der Forschung am IUC über 2038 hinaus zu sondieren, hieß es aus der Landesregierung.  

Der Trägerwechsel des Carl-Thiem-Klinikums soll partnerschaftlich mit der Stadt Cottbus gestaltet werden. Geplant ist, das Klinikum zusammen mit der Gründung des IUC im Jahr 2024 in Landesträgerschaft zu übernehmen und zum Universitätsklinikum zu machen. red

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