INTERVIEW / FESTIVAL-INTENDANT KÜHNEL ÜBER KULTUR UND STRUKTURWANDEL
Daniel Kühnel will die Lausitz zu einer Art Bayreuth machen. Nur eben 12.000 Quadratkilometer groß. Im Interview spricht der Intendant des Lausitz-Festival über die Herausforderungen der Fläche, die Nöte der Künstler und falsche Erwartungen der Kulturszene.

Herr Kühnel, das Lausitz-Festival läuft zum vierten Mal. Eine international sichtbare Großveranstaltung zu etablieren, dauert natürlich. Wo stehen Sie?
Die Lausitz ist geographisch, kulturell und sozial eine heterogene Region und das Lausitz Festival ist ein Mehrsparten-Kunst-Festival. Es gibt Festivals etwa in Norddeutschland, die können sich auf eine Sparte konzentrieren. Und dort ist die Mentalität der Menschen bei weitem nicht so verschieden wie in der Lausitz. Wir haben hier eine weite Landschaft mit einer begrenzten Verkehrsstruktur in einer eher ländlich geprägten Gegend. Das sind alles spannende Herausforderungen, zumal für uns als kleines, erst allmählich entstehendes Team. An den Zugriffen auf unserer Webseite aus ganz Deutschland, Belgien, Österreich und Frankreich und dem gewachsenen medialen Interesse sehen wir allerdings, dass wir – obwohl wir ein junges Festival sind, dessen Start mit dem Beginn der Pandemie zusammenfiel – Erfolg haben und verstärkt international wahrgenommen werden.
Das Lausitz-Festival ist eine Strukturwandel-Maßnahme des Bunds, an die die Region hohe Erwartungen knüpft. Kann man dem überhaupt gerecht werden?
Strukturwandel-Maßnahme würde ich das nicht nennen, es ist ein Angebot, das Öffnen eines Raums der schönen Möglichkeiten. Wir haben vom Bund vier Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung. Das sind, gemessen an der Weite und Komplexität der Lausitz, letztlich beschränkte Mittel, um nachhaltig eine Festivalstruktur zu etablieren, die vielen Erfordernissen gerecht werden sollen. Solch ein Festival aufzubauen, ist ein Prozess und bedeutet, dass man nicht gleich im ersten oder zweiten Jahr alles Notwendige schon getan haben kann. Das müssen wir den Ländern, Gemeinden, den Theatern und Spielstätten, die mit uns zusammenarbeiten, immer wieder deutlich machen. Ein Festival nur in Cottbus oder nur in Hoyerswerda würde anders funktionieren. Einen weiten Raum zu bespielen, bringt Fragen mit sich, für die Antworten erst e…