HINTERGRUND / FLÄCHENNUTZUNG IN DER LAUSITZ
Die Lausitz ist nicht gerade für fruchtbare Böden bekannt. Doch ausgerechnet in den Tagebau-Folgelandschaften hat sich eine unerwartet wertvolle Ressource aufgetan. Die Frage, wie diese Flächen genutzt werden sollen, steht im Zentrum eines aufgeladenen Konflikts.
von Christine Keilholz
Der Ausbau erneuerbarer Energien boomt, doch das rasante Wachstum birgt Risiken. Immer häufiger schließen sich Landeigentümer mit Investoren und Entwicklern zusammen, um Energieprojekte zu realisieren. Dies hat spürbare Auswirkungen auf die Landschaft und die Landwirtschaft. Bürgerenergie-Projekte erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, aber die Frage bleibt: Was passiert, wenn die besten landwirtschaftlichen Böden für Photovoltaikanlagen genutzt werden?
Umweltplaner Michael Schmidt von der BTU Cottbus-Senftenberg warnt vor den Folgen: „Wenn wir am Ende reihenweise PV-Anlagen auf den besten landwirtschaftlichen Flächen haben, haben wir nichts gewonnen.“ Besonders problematisch sieht er die Nutzung der fruchtbaren Bergbau-Folgelandschaften, die nach dem Ende des Tagebaus entstanden sind.
Diese Problematik war auch Thema beim Zukunftsforum Landnutzung in Cottbus, wo Forscher des Projekts Land Innovation Lausitz für eine bewusste Flächennutzung warben. Politiker und Landwirte standen vor der Herausforderung, ökologische Landwirtschaft mit der Energiewende zu vereinen.
Konflikt um die Nachnutzung der Tagebaue
Auch bei Brandenburgs Landesamt für Bergbau sind die Spannungen spürbar. „Nur weil es eine Kippenfläche ist, heißt das nicht, dass der Boden schlecht ist“, erklärt Albrecht Bauriegel, Dezernent für Bodengeologie. Doch gerade diese Flächen werden zunehmend für Energieprojekte beansprucht, was den Druck auf das Amt erhöht. Es besteht die Gefahr, dass wertvolle Böden „zugepflastert“ werden, wenn etwa der Energiekonzern Leag Flächen für Photovoltaikprojekte nutzen will.
Die Leag treibt den Ausbau ihrer Energieprojekte in der Region voran, etwa in Forst-Briesnig, Boxberg und Welzow. Dort entstehen großflächige Energieparks, während Kommunen und Landwirte auf eine Rückführung der Flächen für landwirtschaftliche Zwecke drängen.
In Schenkendöbern, einer Gemeinde mit 3.500 Einwohnern, herrscht Goldgräberstimmung. Hier wollen Investoren Windkraftanlagen errichten. Ein bestehender Windpark im Ortsteil Sembten umfasst bereits zwölf Anlagen, und auch in Schenkendöbern selbst drehen sich elf Räder. Nun ist ein weiterer Windpark bei Lübbinchen geplant. Ein ansässiger Rinderbetrieb will dort energieautark werden, indem er Windenergie vom eigenen Grund nutzt.
Politische Unterstützung, aber mit Grenzen
In der 6.000-Einwohner-Stadt Drebkau befasst man sich mit innovativen Lösungen wie Agroforst und Agri-Photovoltaik, betonte Bürgermeister Paul Köhne. Gerade die Restflächen der Tagebaue bieten sich hierfür an, da die Böden dort oft besser sind als ihr Ruf – und vor allem besser als der sandige und lehmige Rest der Region.
Die Landesregierungen von Brandenburg und Sachsen unterstützen die Pläne der Leag, mit grünem Strom neue Geschäftsfelder zu erschließen. Dennoch gibt es auch hier Grenzen, wie Brandenburgs Lausitz-Beauftragter Klaus Freytag auf dem Forum betonte: „Wir können nicht sagen, fördern das, und es wird überall gebaut – und dann fragen wir uns irgendwann, wie das passieren konnte.“ Freytag fordert daher klare Regularien für die künftige Flächennutzung.
Frank Ewert, wissenschaftlicher Direktor des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF), sieht die Lausitz als besonders anfällig für die Folgen des Klimawandels: „Die Region ist aufgrund ihrer sandigen, trockenen Böden und der zunehmenden Klimaextreme stark betroffen. Gerade das macht sie aber zu einer Modellregion, in der Lösungen für Herausforderungen erarbeitet werden können, denen viele andere Regionen weltweit in naher Zukunft gegenüberstehen.“ red