LEITARTIKEL / MEDIEN IN OSTDEUTSCHLAND
Medien ringen um gute Geschäftsmodelle – unseres funktioniert. Seit drei Jahren macht Neue Lausitz deep journalism im tiefsten Osten Deutschlands. Ohne Fördergeld, Crowdfunding und Stiftungsfinanzierung.
Das erste Neue Lausitz Briefing vom 25. Januar 2022 war ein E-Mail-Newsletter mit drei langen Texten, darunter ein Interview mit dem Ministerpräsidenten von Brandenburg. Dieser ersten Ausgabe ging ein halbes Jahr Vorbereitung voraus. Es galt herauszufinden, wie aussichtsreich die kühne Idee ist, ein regionales Nachrichtenmedium in der Lausitz zu gründen, das nur digital erscheint und sich über Abonnement finanziert.
Heute wird Neue Lausitz drei Jahre alt. Das Briefing ist länger geworden, es enthält Rubriken, Empfehlungen und Kommentare. In dieser Woche ist die 157. Ausgabe erschienen und seit einem halben Jahr gibt es mit dem Wochenend-Newsletter eine zweite wöchentliche Ausgabe. Das Briefing wird von einigen Hundert zahlenden Abonnentinnen und Abonnenten getragen.
Das beweist: Vertikaler regionaler Journalismus ist gefragt. Tiefgründige Berichterstattung über die Themen, die eine Region besonders machen, kann wirtschaftlich aufgehen. Sogar in einer Region mit einer Million Menschen und ohne Großstadt (auch nicht Cottbus), ohne florierende Medienwirtschaft und ohne reiche Stiftungen. Hinter Neue Lausitz stehen kein Investor und kein Förderprogramm, keine Partei und kein staatlicher Auftrag. Neue Lausitz ist das Resultat einer guten Idee und konsequenter Gründungsarbeit im Team.
Medien müssen auch Business sein
Gründen im Journalismus ist noch immer ein Novum. Viele Menschen sehen ihre lokalen Medien als etwas, das immer da war und immer da sein wird, wie das Ordnungsamt oder der Wertstoffhof. Aber das Medienbusiness ist eben keine Abteilung der öffentlichen Verwaltung, sondern ein Business – und ein verdammt hartes. Es lebt davon, dass zahlende Kundinnen und Kunden etwas bekommen und wissen, was es ihnen wert ist. Und das verschwinden wird, wenn es ihnen nichts mehr wert ist. Es lebt davon, dass Menschen die Informationen bekommen, die ihnen wichtig sind. Für einige ist das der Zustand der Demokratie, für andere ihr Forschungsprojekt, für wieder andere ihr Firmenjubiläum. Das alles macht in Summe inhaltliche Vielfalt aus und sichert publizistische Unabhängigkeit.
Überall ringt der Journalismus um tragfähige Geschäftsmodelle. Das Modell der gedruckten Zeitung neigt sich dem Ende. Das Modell des digitalen regionalen Zeitungsverlags scheint nur in größeren Verbünden zu funktionieren – die beiden Tageszeitungen in der Lausitz sind inzwischen mit anderen Zeitungen fusioniert. Der öffentlich rechtliche Rundfunk droht zerrissen zu werden von den sehr vielfältigen Erwartungen eines Publikums, das zur Zahlung verpflichtet ist.
Seit Neue Lausitz im Januar 2022 an den Start ging, hat sich die Medienlandschaft rasant verändert und die Lage des Journalismus verschärft. Ich sage bewusst „Journalismus“ statt „Medien“. Denn Medien bedeutet für junge Leute längst etwas anderes – die meinen nicht mehr Nachrichtenverlage, sondern Kommunikationstools und Interaktionsplattformen. Das ist Teil der Verschärfung: Medien werden immer mehr genutzt, um selbst zu senden als sich zu informieren. Aber die Professionalität einer Institution der vierten Gewalt bringt nicht jede Bloggerin oder Tiktokerin mit. Damit müssen wir Medienschaffende umgehen.
Abo sichert Unabhängigkeit
Neue Lausitz setzt in diesem Umfeld konsequent auf hintergründigen Journalismus. Wir haben Texte, die politische Entscheidungen analysieren und regionale Entwicklungsprozesse erkennbar machen. Dazu erscheinen Gastkommentare, die wichtige Impulse geben für die regionale Debatte. Neue Lausitz ist zum Lesen gemacht, nicht zum schnellen Anschauen und Weiterwischen. Bei uns gibt es informative Artikel für Leserinnen und Leser, die in Wirtschaft und Gesellschaft mitgestalten wollen oder entscheiden müssen.
Neue Lausitz wird gelesen und getragen von einigen regionalen Multiplikatoren. Dazu gehören Abgeordnete, die bei uns ein Forum und die mediale Spiegelung ihrer Entscheidungen finden. Dazu gehören Wissenschaftlerinnen, Bürgermeister und Verbandsmanager, für die Öffentlichkeitsarbeit mehr bedeutet als von den eigenen Leuten freundliche Berichte über ihre Arbeit schreiben zu lassen. Dazu gehören Unternehmer, für die das unternehmerische Engagement anderer gern unterstützen. Und natürlich die vielen Privat-Abonnenten, von der Studentin über die Pfarrerin bis hin zum Jung-Wissenschaftler in NRW, der durch Neue Lausitz mit seiner Heimat verbunden bleibt. Das sind Menschen, die bereit waren, ein neu gegründetes Medium zu unterstützen, obwohl es noch keine Zehntausende Leser hatte.
Ihnen möchte ich genauso danken wie den Mitarbeitern, die Neue Lausitz drei Jahre lang viel geleistet haben. Ambitionierte Leute, die wissen, dass man in einem jungen Unternehmen, das sich erst bewähren muss, nicht sofort nach Tarif verdient. Die sich aber schwungvoll in das Abenteuer gestürzt haben, den Journalismus von Cottbus aus umzukrempeln und neu zu erfinden. Herzlichen Dank an Robert, Franziska, Claudia, Naomi, Gereon und Christian. Und Gruß an Anja, Christoph, Christina und Iris. Ihr habt geholfen, eine Medienmarke aufzubauen, die noch viel erreichen wird. Konstruktiver kann Journalismus nicht sein.

