Verschwindet die Glasindustrie?

26. Januar 2025

ANALYSE / UNTERNEHMEN IN DER LAUSITZ

In der einstmals zweitgrößten Lausitzer Industriebranche mehren sich die Krisenberichte. In Drebkau, Tschernitz und Weißwasser sind die Reste der Glasherstellung bedroht. Das hat auch mit der Struktur der Unternehmen zu tun.

von Christine Keilholz

Stölzle ist die letzte große Glashütte in der Glasmacherstadt Weißwasser. Foto: Stölzle Lausitz / Steffen Füssel

In Drebkau im Kreis Spree-Neiße herrscht Sorge. Vor wenigen Tagen ist bekannt geworden, dass das Glaswerk schließen soll, das seit Jahrzehnten ein wichtiger Arbeitgeber der Umgebung ist. Die drohende Stilllegung gefährdet nicht nur die rund 163 Arbeitsplätze im Werk, sagte Bürgermeister Paul Köhne (parteilos) am gestrigen Montag. Köhne fürchtet auch Auswirkungen auf Zulieferbetriebe und die lokale Infrastruktur.

Die 5.500-Einwohner-Stadt ist kein Hotspot der Lausitzer Industrie. Von deren geografischen Schwerpunkten in Schwarze Pumpe und Schwarzheide ist Drebkau weit genug entfernt, um von den großen Verwerfungen durch Kohleausstieg und Strukturwandel nicht viel mitzubekommen. Das Glaswerk bescherte der Stadt dennoch stabiles Gewerbe.

Doch nun ist die Krise da, deshalb hat Köhne für diesen Freitag alle eingeladen, die helfen könnten. Brandenburgs Wirtschaftsministerium und Wirtschaftsförderung, den Lausitzbeauftragten Klaus Freytag und andere „relevante politische Entscheidungsträger“ sollen zusammen die Optionen zur Sicherung des Standorts prüfen. „Das Glaswerk ist ein Symbol für die Stärke und Beständigkeit unserer Stadt und über Generationen ein wichtiger Pfeiler unserer wirtschaftlichen Struktur“, erklärte der Bürgermeister. „Wir dürfen nicht zulassen, dass dieser Betrieb ohne intensiven Einsatz aller Beteiligten verloren geht.