LEITARTIKEL / STRUKTURWANDEL IN DER LAUSITZ
Der Strukturwandel macht die Lausitz zur dynamischsten Region Deutschlands. Doch der wirtschaftliche Entzug von der Kohleindustrie braucht eine neue Art von Politik. Denn schnelle Erfolge sind nicht zu erwarten. Dafür vielleicht große.
Was bringt es, elf Milliarden Euro in die Lausitz zu pumpen? Obwohl dort nur eine knappe Million Menschen lebt und immer mehr wegziehen. Obwohl es keine Großstadt gibt – Cottbus schrammt an der 100.000-Einwohner-Grenze. Obwohl sich die traditionellen Industrien zurückziehen – wie der Waggonbau in Niesky und Görlitz, Glas in Weißwasser und die einst blühende Textilindustrie praktisch nicht mehr existiert. Und wo nun die Leitindustrie Braunkohle auch noch verschwindet.
Warum also sollte man so viel Steuergeld in die Hand nehmen, um diesem Stück ländlichen Raum eine neue Perspektive zu geben? Denn das soll der Strukturwandel ja leisten, der in den vier deutschen Kohlerevieren bis 2038 insgesamt 40 Milliarden Euro kosten wird.
Weil der der Strukturwandel in dieser von der Kohleindustrie gebeutelten Lausitz zeigt, was ländlicher Raum sein kann und wie man ihn entwickeln muss, damit dort Menschen gern leben, gern bleiben und sich entfalten können. Wenn das in der Lausitz gelingt, kann es auch im Vogtland oder im Erzgebirge gelingen.
Fokus auf Forschung goldrichtig
Dieser Strukturwandel läuft seit fünf Jahren. Dabei hat sich schon herausgestellt, dass althergebrachte Strukturpolitik nicht weiterhilft. Es ist nicht die beste Idee, alte Industrien durch neue zu ersetzen. Das klappt meist nicht oder dauert sehr lange, bis sich etwa Wasserstoff als neuer Energieträger etabliert hat. Tausende neue Arbeitsplätze zu schaffen bringt wenig, w…