HINTERGRUND / ENERGIEWIRTSCHAFT IN OBERSPREEWALD-LAUSITZ
Im Ortsteil Missen macht sich eine Bewegung für Bürgerenergie stark. Stromerzeugung soll künftig ohne große Anlagen von auswärtigen Investoren auskommen. Das Dorf verspricht sich davon mehr als Geld.
Von Christine Keilholz

Grüner Strom entsteht in Missen im Kreis Oberspreewald-Lausitz seit 15 Jahren. 2010 wurde eine große Photovoltaik-Anlage am Ortsausgang installiert. Damals wurden die Anwohner nicht lange gefragt, was sie davon halten. Doch nun steht das Repowering der Anlage an – und da wollen die Missener mitreden. „Da müssen Bürger mit ins Boot geholt werden“, sagt Ortsvorsteherin Jeanette Richter. Sie geht davon aus, dass die meisten im Dorf Energieprojekte auf diese Weise nicht unterstützen wollen. Die Einstellung zur PV-Anlage ist „zu 75 Prozent negativ“, schätzt sie.
Denn bisher hat Missen von seinem erneuerbaren Strom wenig. Von dem, was die Kommune an der Anlage verdient, bleiben nur fünf Prozent im Dorf. Ein größerer Teil wird auf die umliegenden Dörfer verteilt. 75 Prozent gehen in die Stadtkasse von Vetschau. Das rechnet Richter vor an diesem Nachmittag im Dorfgasthof. An die 40 Leute sind gekommen, um darüber zu beraten, wie Energiewende in ihrem Dorf besser laufen kann. Die Erneuerung der alten Solaranlage bietet Anlass zum Reset. Auf der Einladung für den Nachmittag steht Bürgerenergie. Eine Genossenschaft zu gründen, dafür können sich viele hier erwärmen.
Missen hat gute Voraussetzungen, im großen Stil in die Solarenergie einzusteigen. Das zeigt die Potenzialkarte vom Energieportal Brandenburg, die der BTU-Rechtswissenschaftler Dirk Marx an die Wand im Tanzsaal wirft. Südlich von Vetschau sind…