„Wenn mehr Geld in den Dörfern bleibt, haben wir mehr Zustimmung“

22. Juli 2025

INTERVIEW / BÜRGERENERGIE IN DER LAUSITZ

Ein Forschungsprojekt der BTU will die Energiewende auf den Kopf stellen und mehr Bürgerenergie in die Lausitz holen. Damit das gelingt, arbeiten Wissenschaft und Zivilgesellschaft zusammen.

Dorf-Aktivist Günther Thiele (li.) und Rechtswissenschaftler Dirk Marx bei einer Veranstaltung in Missen im Kreis Oberspreewald-Lausitz.
Dorf-Aktivist Günther Thiele (li.) und Rechtswissenschaftler Dirk Marx bei einer Veranstaltung in Missen im Kreis Oberspreewald-Lausitz. Foto: NL

Herr Marx, Herr Thiele, warum braucht die Lausitz mehr Energiewende von unten?

Dirk Marx: Der Klimawandel lässt uns die Art und Weise, wie wir Energie gewinnen und Ressourcen verbrauchen, grundlegend überdenken. Als Weltgesellschaft und in Deutschland haben wir uns entschieden, das Ganze soweit zu kontrollieren, dass wir die Temperaturerhöhung vielleicht in den Griff bekommen können. Dafür gibt es Stellschrauben auf der globalen, der nationalen und der lokalen Ebene. Eine der größten Stellschrauben in Deutschland ist die Energiewende. Aber dieser Ausstieg aus dem Abbau und der Verstromung von Kohle muss als großes politisches Projekt natürlich von der Zivilgesellschaft unterstützt werden.

Wie gut funktioniert das in der Lausitz?

Günter Thiele: Eine echte Einbeziehung der Bürger in solche Transformationsprozesse haben wir in der Lausitz noch nicht erlebt. Wir haben als Region mit der Wiedervereinigung ja schon einen Strukturwandel vollzogen, in dem die Bürger nicht gefragt worden sind, wie sie sich das vorstellen. 130 Dörfer sind abgebaggert worden, da mussten viele Menschen sich komplett neu orientieren. Und jetzt kommt die Braunkohle weg und eine vollkommen neue Landschaft wird geschaffen. Auch diesmal wurden die Bürger erst hinterher einbezogen, als schon alles entschieden war. Aber ohne die Einbeziehung der Zivilgesellschaft bringen diese Prozesse nur Unzufriedenheit.

Nehmen Sie Unzufriedenheit wahr?

Thiele: Soweit ich mich erinnere, haben wir noch nie solche politischen Kämpfe in den Volksvertretungen gehabt wie jetzt, da es um Windräder und Stroml…