„Der lange Weg zur Förderung verschreckt“

26. August 2025

INTERVIEW / SVEN MIMUS ÜBER STRUKTURWANDEL UND TECH-HYPES

Sven Mimus arbeitet als Chef der Entwicklungsgesellschaft (Eno) des Kreises Görlitz direkt mit Antragstellern. Im Interview sagt er, was beim Strukturwandel besser laufen muss, damit sich die Anfangsfehler nicht wiederholen.

„Viele Unternehmen wissen gar nicht, welche Dienstleistung sie von uns beanspruchen können“, sagt Sven Mimus. Foto: Eno
„Viele Unternehmen wissen gar nicht, welche Dienstleistung sie von uns beanspruchen können“, sagt Sven Mimus. Foto: Eno

Herr Mimus, wenn wir den Strukturwandel neu aufziehen könnten, was würden Sie anders machen? 

Ich würde von Anfang an mehr selektieren, damit auch wirklich die richtigen Projekte ins Verfahren kommen. Damit produzieren wir auch weniger Enttäuschung bei den Antragstellern. Bei vielen gab es die Erwartungshaltung, dass das ganz einfach geht, an Geld zu kommen und damit Sachen zu machen, die man sich schon lange gewünscht hat. Die Taskforce, die wir bei der Eno gebildet haben, hatte zu Beginn des Prozesses weit über 1.000 Projekte zur Sichtung abzuarbeiten. Letztlich wurden dann aber doch viele verschreckt mit dem langen Weg, der da zu gehen ist, damit wirklich Geld fließt. Das sollten wir so nicht nochmal machen. Und wir sollten die Unternehmen früher fragen, was sie brauchen. Denn die sind nun einmal unsere wichtigsten Partner beim Thema Schaffung von Arbeitsplätzen. 

Sind das nicht die Kommunen? 

Wir sind das Thema Strukturwandel angegangen, weil die Kommunen darum gebeten hatten. Sie haben recht schnell gemerkt, dass sie die Antragsverfahren allein nicht schaffen. Aus dem Landratsamt hieß es dann richtig, wir sollten auch die Unternehmen mitnehmen. Wir begleiten viele Unternehmen bei Beantragung von Mitteln über regionales Wachstum oder ähnliche Programme. Wenn ich Unternehmen besuche, stelle ich immer noch fest, dass viele gar nicht wissen, welche Dienstleistung sie von uns beanspruchen können. Das müssen wir gemeinsam bekannter machen, sonst vergeben wir viele Chancen.

Was sagen Ihnen die Unternehmen im Kreis Görlitz? 

Ich sehe, dass wir große Probleme für die Unternehmen nicht gelöst bekommen. Die Lohnnebenkosten und die hohen Energiepreise beschäftigen viele Unternehmen. Auch der Mindestlohn wird erneut Auswirkungen haben auf unsere Wirtschaft. Die Unternehmen kommen zudem nicht mehr…