LEITARTIKEL / INDUSTRIE IN DER LAUSITZ
Der Strukturwandel versprach neues prestigeträchtiges Großgerät, wenn das alte weichen muss. Nun hat die Lausitz einen Giganten verloren – und bekommt mit etwas Glück einen neuen.
von Christine Keilholz
Anfang des Monats ging an einem kalten Donnerstag in Jänschwalde ein Koloss in die Knie. Die Abraumförderbrücke F60 hatte mehr als 45 Jahren im Staub von Jänschwalde ihren Dienst getan. Sie hatte überdies für etwas gestanden, dessen Fehlen nun beklagt wird.
Man muss keine große Sympathie empfinden für dieses Gerät, 14 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr freigelegt hat – und dabei Gehöfte, Wälder und pralles Dorfleben pulverisierte. Die Kohleindustrie der DDR war ein Staatsprogramm von brutaler Effizienz, das jegliches Opfer in Kauf nahm und keine Einwände akzeptierte. Trotzdem kann man sich leicht von der Trauer anstecken zu lassen, die der Anblick des gesprengten Riesen auslöste. In zahlreichen Social-Media-Kommentaren kommt diese Trauer seither zum Ausdruck. Nicht alle diese Einlassungen sind zitierfähig – wie immer, wenn die Lausitz über die Kohle diskutiert. Die vernünftigeren Kommentatoren verweisen darauf, dass diese Großtechnik etwas war, was es so nur in der Lausitz gab.
Die Förderbrücke, die aus der Geräteschmiede Takraf in Lauchhammer stammte, hat der Lausitz einen Platz in der Industriegeschichte gesichert. Und sie hat denen, die damit arbeiten durften, Stolz und Standesbewu…