„Wir brauchen Erneuerbare nah an unseren Fabriken“  

21. April 2026

INTERVIEW / Martin Heusler über seine Pläne für Spree-Neisse 

Martin Heusler wird am 10. Mai Landrat von Spree-Neiße. Im Interview sagt er, wie er die politische Spaltung im Kreis überwinden und die Energiewende akzeptabel machen will. Und über den Umgang mit seinem früheren Arbeitgeber Leag.

Martin Heusler: „Es gibt einen direkten Zusammenhang zwischen unserer Haltung zum Windrad und unserer Zukunft als Energieregion.“ Foto: privat

Herr Heusler, wie sieht Spree-Neiße in acht Jahren aus? 

Idealerweise haben wir dann jeden weggefallenen Industriearbeitsplatz kompensiert durch Industrie-Ansiedlungen. Es wird gelungen sein, die Wertschöpfung hier zu halten. Der Strukturwandel hat so gut geklappt, dass keine Abwanderung in Größenordnung passiert ist, dass sich die Arbeitslosenzahlen nicht verdoppelt oder verdreifacht haben und dass die Effekte der 1990er Jahre nicht eingetreten sind. 

Knapp die Hälfte der der Wählerinnen und Wähler hat gegen Sie gestimmt. Wie wollen Sie den Landkreis wieder einen? 

Indem ich bürgernahe Politik mache, die nicht im stillen Kämmerlein Entscheidungen trifft. Mir ist es wichtig, in der Öffentlichkeit sichtbar und ansprechbar zu sein. Damit werde ich gleich bei der Vereidigung am 10. Mai anfangen. Die wird nicht im Kreistag stattfinden, sondern im Forster Rosengarten zum Jungrosenfest. Wir müssen so viel wie möglich öffentlich diskutieren. Nicht nur im Parlament, also im Kreistag. 

Worüber wollen die Bürgerinnen und Bürger diskutieren? Was haben Sie im Wahlkampf gehört? 

Die Menschen können mit Zuständigkeiten der einzelnen Ebenen wenig anfangen. Wenn sie ein Problem anbringen, wollen sie nicht hören: Dafür sind wir nicht zuständig, wenden Sie sich an den Bürgermeister oder den Bund. Sie wollen, dass sich jemand kümmert. Hinter diesem Weiterschicken steckt eine Verwaltungs-Denke, die nicht gut ist. Ich habe vor, ein Tool einzuführen, wo man Zuständigkeiten und Telefonnummern einfach bekommt. 

Ist da eine Entfremdung zwischen Verwaltung und Bürgern eingetreten, die Politik wieder überbrücken muss? 

Entfremdung würde ich das noch nicht nennen. Aber die Menschen nutzen den einfachsten Weg der Kommunikation. Verwaltungen kommen da nur schwer hinterher, die nutzen den vorgeschriebenen Weg. Es ist wichtig, dass Politik vielfältig informiert. Aber die Bürger müssen auch verstehen, dass es eine Holpflicht gibt. Sie kriegen nicht al…