ANALYSE / STRUKTURPOLITIK IN DEUTSCHLAND
Im Kampf um neue Kraftwerke gilt die Lausitz nicht mehr als Teil Ostdeutschlands, sondern des netzpolitischen Nordens. Das zeigt, wie hart die Konkurrenz der Regionen um Industrie und Wachstum geworden ist.
von Christine Keilholz

Der Lausitzer Widerstand gegen den Südbonus bei der Verteilung der Gaskraftwerke mag überzogen sein. Wieder einmal werden die Interessen des Energiekonzerns Leag zum Interesse der gesamten Region erklärt. So war das schon bei den Verhandlungen um den Kohleausstieg vor knapp zehn Jahren. Dabei beschreibt das Warten auf die Kraftwerke-Strategie des Bunds die aktuellen Nöte der Lausitzer Energiebranche nur teilweise. Daneben werden groß angekündigte grüne Industrieprojekte aufgegeben – allerdings ohne öffentlichen Aufschrei. Die Gaskraftwerke sollten den Übergang bilden von der Braunkohle zur Wasserstoffwirtschaft.
Nun findet sich die Lausitz sowohl bei den Kraftwerken als auch bei der Wasserstoff-Infrastruktur in einem harten Konkurrenzkampf der Regionen wieder. Eine ostdeutsche Wirtschaftsministerin will den Süden Deutschlands beim Ausbau der Gaskraftwerke begünstigen – der zurzeit wohl wichtigsten staatlichen Infrastruktur der Wirtschaft. Wo Wasserstoffleitungen künftig lang führen und wo die passenden Wasserstoff-Kraftwerke entstehen – das entscheidet zu einem großen Teil darüber, wo künftig die Musik spielt.
Der Ärger im Osten über den bevorzugten Süden rückt Himmelsrichtungen auf neue Weise in den Fokus. Wirtschaftlich ist die Lausitz Teil des Ostens, der besondere Rücksichten für seine Entwicklung einfordert. Die Lausitz ist aber auch Teil des netzpolitischen Nordens, der sich gegen den industriell starken Süden durchsetzen muss.
Momentum nutzen
Der Nord-S…