BLOG / IN EIGENER SACHE
Künstliche Intelligenz kommt auch in der Redaktion von Neue Lausitz zum Einsatz. Wir nutzen ChatBots sensibel, kritisch und nach journalistischen Grundsätzen.

Eine Diskussion über Künstliche Intelligenz im Journalismus ist in dieser Woche aufgewallt. Zuerst hatte die FAZ einen Gastbeitrag von Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) von ihrer Plattform genommen. Dann hat der Tagesspiegel seinen ehemaligen Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff beurlaubt. Und schließlich machte ein Artikel des Springer-Verlegers Mathias Döpfner Furore.
Alle drei hatten Texte mit KI erstellt und unter ihrem Namen veröffentlicht. Nur Döpfner erklärte freiaus, sein Text stamme vom Google-Sprachassistenten Gemini. Döpfner wollte damit klarmachen, dass KI ohnehin in den Redaktionen zum Einsatz kommt.
Auch Neue Lausitz nutzt KI. Wir verwenden Sprachassistenten als Mittel der Recherche und als Hilfe, um Texte effizienter zu konzipieren. Dabei gehen wir sensibel entlang der journalistischen Standards vor. Die von KI gebotenen Informationen prüfen wir nach. Die von KI erstellten Listen ergänzen wir durch eigene Funde. Wir verlassen uns nie auf das, was die Tools liefern. So verstehen wir unser Handwerk, das auf nachrichtlichem Gewichten und kritischem Prüfen basiert.
KI im Journalismus
Die Debatte um KI begleitet Neue Lausitz von Anfang an. Wir sind 2022 als hintergründiges Regionalmedium nur wenige Monate vor ChatGPT an den Start gegangen. Mit dem ersten weltweit zugänglichen Large Language Model kam die Sorge in die Branche, die eigene Tätigkeit könnte über kurz oder lang durch Technik ersetzt werden. Wir berichten über solche Debatten in vielen Gewerken – etwa in der Verwaltung. Uns selbst betrifft die Disruption durch KI genauso.
Journalismus steckt in der Transformation und wird an vielen Enden herausgefordert. Allen voran wirtschaftlich: Mit dem Verkauf von aktuellen Informationen allein lassen sich Redaktionen nicht mehr betreiben. Die großen Tech-Plattformen sind für uns sowohl Partner als auch Konkurrenz – in gewisser Weise sind sie auch Ausbeuter unserer Arbeit. Unsere Recherchen ermöglichen erst die Diskussionen auf Facebook oder LinkedIn. Journalistinnen und Journalisten erarbeiten die Informationen, die KI binnen Sekunden liefert.
Daraus ergeben sich Probleme, die die Medienbranche intensiv diskutiert. Wie weit darf man sich helfen lassen vom ChatBot? Wie viel darf ein Autor, dessen Name über einem Text steht, eine künstliche Assistenz machen lassen? Was ist die Essenz unserer Recherchearbeit, die wir durch alle Innovationen hinweg beibehalten müssen?
KI bei Neue Lausitz
Wir nutzen KI zur Bildgestaltung. Konkret an solchen Stellen, wo sonst Grafiken oder Bildmontagen zum Einsatz kämen. KI generiert Titelbilder für unsere Rubriken sowie eindrucksvolle Optiken von Personen und Orten. Darüber hinaus erstellt unser Redaktionsteam Karikaturen, die vorrangig auf unseren Social-Media-Kanälen zum Einsatz kommen.
Warum tun wir das? Weil es hilft, abstrakte Themen bildlich darzustellen. Vieles, worüber wir schreiben, ist noch nicht realisiert – ob es eine fertige Fabrik ist oder eine Forschungsanlage. Gleichwohl verdienen diese Themen Aufmerksamkeit – und gute Bilder machen sie leichter zugänglich.
Künftig könnte uns KI helfen, die Berichterstattung auszuweiten. Assistenten, die Livestreams oder Audiomitschnitte verarbeiten, ermöglichen Berichterstattung, wo sie bisher nicht möglich war. Auf diese Weise lassen sich Stadtratssitzungen oder wissenschaftliche Vorträge journalistisch auswerten, die sonst unter dem Radar laufen würden. Damit experimentieren wir aktuell.
KI in der Medienwelt
Für Neue Lausitz ist wichtig: Wir orientieren wir uns streng an den Regeln des Persönlichkeitsschutzes und den dokumentarischen Grundsätzen des Journalismus. Konkret: Niemand wird von uns bildlich verfälscht oder in unzutreffende Zusammenhänge gestellt.
Wo die Grenzen liegen, ist noch nicht genau definiert. Wir als digitales Nachrichtenportal gehören zu denen, die die künftigen Standards mitgestalten. Das ist eine spannende Aufgabe angesichts des rasanten Wandels auf dem Medienmarkt. Doch es braucht Fingerspitzengefühl, denn es geht um Vertrauen und Verlässlichkeit.
Wie stehen Sie dazu? Wo sehen Sie die Grenze dessen, was zulässig sein soll. Haben Sie Ansätze oder Einwände? Dann schreiben Sie mir gern und lassen Sie uns darüber sprechen.