Die Pioniere hinter den Industrien  

4. August 2026

ANALYSE / INDUSTRIEGESCHICHTE DER LAUSITZ  

Industriekultur ist nicht nur ein Fall fürs Museum. Am Anfang standen Menschen mit Kapital und guten Geschäftsideen. Doch lassen sich die Erfolgsgeschichten der Gründerzeit auf den Strukturwandel von heute übertragen? 

So begann die Industrie in der Lausitz. Festgehalten in einer restaurierten Bildersammlung. Foto: Stiftung Fürst-Pückler-Park-Bad Muskau

Als Joseph Werminghoff (1848 bis 1914) im Jahr 1905 sein Unternehmen von Berlin nach Welzow verlegte, war das kein weiter Weg. Aber ein großer Schritt für Welzow. Der Ort hatte vorher kaum 300 Einwohner. Wenige Jahre später waren es 4.700. Vorher gab es dort Landwirtschaft, danach war Welzow Sitz der Aktiengesellschaft Eintracht Braunkohlewerke und Brikettfabriken. 

Wie Welzow zu dem gleichnamigen Tagebau kam, hat mit der Braunkohleindustrie zu tun. Und die geht – jedenfalls für diesen Teil der Lausitz – auf jenen Joseph Werminghoff zurück. Der in Köln geborene Unternehmer hatte die AG 1887 in Berlin gegründet. Ohne Werminghoff hätte es die Energiefabrik Knappenrode bei Hoyerswerda nicht gegeben. Der Knappensee entstand aus der Grube Werminghoff I, die er ein Jahr vor seinem Tod erschloss. Er starb 1914 in Dresden. 

Vieles von dem, was der umtriebige Industriepionier schuf, ist als Industriedenkmal erhalten. Die Hallen von Knappenrode beeindrucken heute noch mit Größe, Weite und dem unbedingten Willen zur Effizienz. Doch nichts davon trägt heute noch den Namen seines Gründers. Die DDR hatte wenig Lust, an Kohlebarone zu erinnern. Fabrikanten gerieten in Vergessenheit und mit ihnen – so scheint es – die Fähigkeit zu gründen. 

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