„Kirche darf nicht nur moderieren“

15. September 2026

INTERVIEW / CHRISTIAN STÄBLEIN ÜBER DIGITALISIERUNG, KI UND GEMEINDEN IN DER TRANSFORMATION 

Bischof Christian Stäblein über Orte, an denen sich die Menschen von Hast und Hetze in den sozialen Medien erholen können. Die Kirche muss diese Orte schaffen – ohne sich der öffentlichen Einrede in politischen Zeiten zu enthalten.  

Christian Stäblein vor der Klosterkirche Guben: „Bei uns gehören Strukturveränderungen zur Geschichte, und das ist nie zu Ende.“ Foto: NL

Herr Bischof, was kann Kirche tun, um den Wandel der Arbeitswelt, der Industrien und der Strukturen auf dem Land konstruktiv zu begleiten? 

Wir sind kein produzierendes Unternehmen, das selbst Arbeitsplätze schaffen könnte. Aber wir können die Zivilgesellschaft stärken, sich einzubringen und, mehr noch, den Wandel beherzt, ja zuversichtlich anzugehen. Das heißt, wir bereiten so gut es geht den Boden für Verständigung. Das sage ich in die Kirche nach Innen wo ich kann: Öffnet die Kirchen für kontroverse Gespräche! Scheut euch nicht davor, dass es auch mal konfrontativ wird. Es ist wichtig, zusammen zu streiten – zusammen, im Wortsinn. 

Die Kirche im Dorf als ein dritter Ort, an dem man über alles Mögliche spricht? 

Ja, aber eben auf die richtige Weise. Die Menschen haben doch genug vom ewigen fruchtlosen Streit in den Sozialen Medien. Außerdem wollen sie andere Leute auch wirklich treffen. Kirche kann die Möglichkeit bieten, Dinge auszusprechen, dass andere sie hören können. Was wir manchmal an Hass und Hetze hören, das formuliert sich in einem Kirchenraum so nicht. In einer Kirche nimmt man sich selbst immer ein Stück zurück, muss sich sozusagen benehmen. Das wissen auch die, die sonst nie hingehen. 

Wie gehen Sie persönlich mit der Beschleunigung und Zersplitterung des öffentlichen Diskurses durch soziale Medien um? 

Ich erlebe diese Beschleunigung natürlich auch. Wir leben vielfach in Wutzeiten, in denen Empörung fast schon zur Regel geworden ist. Die sozialen Medien…