LEITARTIKEL / SCHULSKANDAL IN SCHLEIFE
Um Mut sollte es gehen bei einem Theaterprojekt in Schleife. Nun ermittelt die Polizei wegen Verbreitung von Pornografie. Der Skandal um die Deutsch-Sorbische Schule offenbart das Fehlen von Mut an vielen Stellen.
von Christine Keilholz
Bürgermeister Jörg Funda (CDU) wirkte überfordert, als er nach dem Vorfall an der Deutsch-Sorbischen Schule befragt wurde. Der liegt zwar schon ein paar Wochen zurück, doch erst jetzt ist die Aufregung über die Theaterwoche zum Thema Mut öffentlich und politisch geworden. Funda zeigte sich im Gespräch mit dem MDR erschüttert: „Dass solche Dinge Kindern zugänglich gemacht wurden, schlägt dem Fass den Boden aus.“ Noch mehr erschüttert ihn die Berichterstattung und „wie viele diese politische Welle reiten“.
Schleife im Kreis Görlitz steht im Fokus. Nicht mit einem rechtsextremen Vorfall. Das war noch vor wenigen Jahren die größte Angst sächsischer Bürgermeister: Schlechte Presse, weil nachts Brandbomben gegen ein Asylbewerberheim fliegen oder weil Jugendliche auf dem Markt irgendwas gegrölt haben, was in sozialen Netzwerken Furore macht. Die größte Angst war, wegen fremdenfeindlicher Taten einzelner kollektiv an den Pranger gestellt zu werden.
In Schleife geht es um etwas anderes. Über den 2.500-Einwohner-Ort ergießt sich Empörung, weil ausgerechnet ein Theaterprojekt aus der Demokratieförderung aus dem Ruder gelaufen ist. Eltern beschwerten sich. Die Schule brach das Projekt ab. Das war Mitte März. Nun ermittelt die Polizei. Überregionale Medien berichten. Rechtsextreme feiern. Es ist einer dieser Fälle, wo viele eine Meinung haben, ohne zu wissen, was vorgefallen ist.
Minister hätte einordnen müssen
Was passiert ist: Zwei Dozentinnen haben in einem Theaterprojekt mit Schülerinnen und Schülern zum Thema Mut Material vorgezeigt, das keine Qualitätskontrolle passiert hätte. Die Pornohefte waren unpassend für Jugendliche und eindeutig zu viel der Anschaulichkeit von queeren Lebensmodellen. Die Eltern hatten Recht mit ihren Beschwerden, die Schule hatte Recht mit dem Abbruch des Projekts. Recht hat auch die linke Amadeo-Antonio-Stiftung, die dem Projekt umgehend die Förderung strich.
Schwach hinge…