ANALYSE / INDUSTRIE IN DER OBERLAUSITZ
Fast 200 Jahre lang baute die Oberlausitz Eisenbahnen. Geblieben ist wenig von der Traditionsindustrie. Doch neue Nachfrage und kühne Ideen machen Mut.
von Robert Saar

Waggonbau-Original. Entwickelt und produziert wurde er in Görlitz. Das Fahrzeug begeistert Zugliebhaber bis heute. Quelle: gravitat-OFF (CC BY 2.0)
In Niesky ist nicht viel geblieben vom Waggonbau. Ein Jahrhundert lang war die 9.000-Einwohner-Stadt neben Bautzen und Görlitz der wichtigste Standort der Branche in Sachsen. 2023 schloss der Waggonbau Niesky seine Tore. Der letzte Besitzer, die slowakische Tatravagónka Poprad, verkaufte das Gelände nicht nur an ein Unternehmen, das keine Verbindung zu Schienenfahrzeugen hat. Sie verbrachte auch die Produktionsanlagen in die Slowakei.
Damit ging ein Kapitel Lausitzer Industriegeschichte zu Ende. Seit 1917 waren Güterwaggons aus dem kleinen Ort in die ganze Welt gerollt. Darunter spektakuläre Fahrzeuge, wie eine Ausstellung im vergangenen Jahr zeigte.
Harald Prause-Kosubek hat an vorderster Front für den Erhalt des Werks gekämpft. Der 55-Jährige machte noch zu DDR-Zeiten seine Lehre im Waggonbau Niesky, bis 2015 arbeitete er im Möbelwerk direkt nebenan. Heute arbeitet er für die SPD, die er auch im Stadtrat vertritt. Der Oberlausitzer kann nicht verstehen, warum sich Berlin und Dresden nicht für den Erhalt seines Werks einsetzten. Teil der Verkehrswende ist die Verlagerung von Gütertransporten von der Straße zur Schiene. Die Güterwaggons aus Niesky hätten dabei helfen können. „Es ist für mich irrsinnig, diesen Standort zu schließen“, sagt Prause-Kosubek.