HINTERGRUND / DIGITALES IN DER LAUSITZ
Der Kontakt von Politikern und Wählern ist in die sozialen Medien abgewandert. Manche Lausitzer Politiker leisten sich Mannschaften für Facebook und Twitter. Belohnt wird dieser Aufwand nicht immer.
von Naomi Asal
Soll man auf Tiktok sein oder lässt man es lieber? Im Büro von Knut Abraham hat man darüber beraten und es dann gelassen. Zum einen ist es die dort erforderliche Selbstdarstellung, die dem CDU-Politiker und langjährigem Diplomaten nicht liegt. „Ich tanze gerne, aber schlecht“, sagt der Bundestagsabgeordnete aus Finsterwalde. „Tiktok passt weder zu meinem Alter noch zu meiner politischen Betätigung.“ Lieber postet der 56-jährige Stammtischvideos für seine 900 Follower auf Facebook. Das komme gut an.
Tiktok galt bei seinem Start vor sechs Jahren als digitale Bühne für Gesangsvideos und Tänze. Wer aber junge Wählerinnen und Wähler erreichen will, kommt an dem chinesischen Social Network heute nicht mehr vorbei. Die Plattform hat sich über die letzten Jahre politisiert. Politikberater halten Tiktok für die wichtigste Plattform, um Erstwählerinnen zu erreichen.
Die Bundestagsabgeordnete der Linken Caren Lay, hat versucht, das für sich und zu nutzen. Doch im Gegensatz zu Instagram, Facebook oder Twitter – wo die 50-Jährige zwischen 3.000 und knapp 13.000 Follower hat – richtet sich der Algorithmus von Tiktok nach Trends aus. Eine zielgerichtete Kommunikation war praktisch nicht möglich, sagte Lays Wahlkreismitarbeiter aus Hoyerswerda der Neuen Lausitz. Politische Themen gehen auf Tiktok zwar häufig viral, doch lokale Politik geht zwischen internationalen Themen wie #blacklifesmatter oder dem gekippten Recht auf Abtreibung in den USA unter. Also löschte Lay ihr Tiktok-Profil nach kurzer Zeit wieder.