Medizin zum Anfassen: Lausitzer stürmen ihre neue Universität

11. Oktober 2026

NEWS / WISSENSCHAFT IN DER NIEDERLAUSITZ 

Die Medizinische Universität Lausitz (MUL) hat ihre Türen geöffnet und wurde zur Nacht der kreativen Köpfe von neugierigen Besuchern regelrecht überrannt. Darunter Eltern, die schon einmal die Studienbedingungen für ihre möglichen künftigen Medizinstudierenden im Seminarzentrum erkundeten. 

Besuch im Hirn der neuen Medizin-Universität Lausitz: Viele Kinder und Jugendliche zu Studienstart und Kreativnacht in Cottbus. Foto: Christian Füller

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Christian Füller

Ist das ein gutes Omen für die Studierenden, dass für ihre Seminarräume die bisherige Notaufnahme umgebaut wurde? Wo früher dringende Patienten akut notfallmedizinisch versorgt wurden, sollen künftig junge Menschen lernen, wie sie selbst einmal Leben retten können. Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL) in Cottbus hat pünktlich zum Start ihres ersten Studienjahrgangs ein neues Seminarzentrum eingerichtet. Bei der Nacht der kreativen Köpfe konnten sich die Lausitzerinnen und Lausitzer selbst ein Bild davon machen. Das Interesse war gewaltig. 

Familien mit Kindern, Jugendliche und Erwachsene drängten sich am Sonnabend durch die Flure, um einen Blick hinter die Kulissen der Medizin zu werfen. An zahlreichen Stationen wurde nicht nur erklärt, sondern vor allem ausprobiert. Aus der ernsten Welt der Medizin wurde für einen Abend ein großer Erlebnisraum. Mitten im Besucherstrom lag eine Patientendarstellerin auf dem Boden, umgeben von Rettungstaschen, Monitoren und medizinischem Gerät. Ein Rettungshelfer bereitete eine Beatmungsmaske vor, während eine junge Besucherin einen Infusionsbeutel hielt. 

An einer anderen Station schaute ein Mädchen konzentriert durch das Okular eines Mikroskops. Auf den angeschlossenen Bildschirmen waren zahlreiche rote Blutkörperchen und andere Blutzellen zu erkennen. Nebenan lernte ein Jugendlicher, wie man mit chirurgischer Nadel und Faden eine Wunde an einem Übungsmodell vernäht. Wer lieber auf Entdeckungsreise ging, konnte sogar durch ein überdimensionales, begehbares Gehirn spazieren und dessen Innenleben erkunden.

Eltern besichtigen den Studienort

Selbst die Führungen durch das vergleichsweise nüchterne neue Seminarzentrum waren gut besucht. Unter den Interessierten befanden sich Eltern, deren Kinder später einmal Medizin studieren möchten – möglichst gleich hier in der Lausitz. Ein Zehntklässler hatte seinen Vater vorgeschickt, um die Studienmöglichkeiten auszukundschaften.

Zu sehen gab es helle Seminarräume mit langen Tischreihen, moderner Präsentationstechnik und digitalen Bildschirmen. Klassische große Hörsäle spielten im neuen Lehrkonzept eine geringere Rolle, hieß es. Stattdessen sollen sich Vorlesungen, praktische Ausbildung in der Klinik und Arbeit im Labor abwechseln. Dazu kommen offene Aufenthaltsbereiche mit Sitzgelegenheiten und Stehtischen. Noch wirkt manches etwas steril, doch die Voraussetzungen für den Studienbetrieb sind geschaffen.

Zum Start nehmen 38 Studierende ihr Studium der Humanmedizin auf, heute wurden sie bei einem Festakt im Staatstheater feierlich begrüßt. (Bisher waren 36 gemeldet, aber die zentrale Studienplatzvergabe hat noch zwei weitere Studierende nach Cottbus entsandt.) Das Seminarzentrum reicht nach den Berechnungen der MUL platzmäßig zunächst bis 2032. Dann könnten rund 700 Medizinstudierende auf dem Campus sein. Während eine Gruppe Vorlesungen besucht, soll eine andere in der Klinik oder im Labor arbeiten. 

Ärzte und Pflegekräfte sollen gemeinsam lernen

Bei den Führungen zeigte sich auch, wie groß der Informationsbedarf zum neuen Studienangebot ist. Unter den Besuchern machte sogar die Vorstellung die Runde, die MUL biete ein duales Medizinstudium an. Das ist jedoch nicht der Fall. „Es ist ein Humanmedizinstudium, Vollzeit, ohne Ausbildung nebenbei“, stellte ein Verantwortlicher bei der Führung klar.

Eine Besonderheit soll stattdessen die enge Verzahnung zwischen dem Medizinstudium und der Ausbildung anderer Gesundheitsberufe sein. Mehr als 700 Auszubildende in Pflege- und weiteren medizinischen Berufen lernen bereits am Standort. Sie sollen künftig enger mit den angehenden Ärztinnen und Ärzten zusammenarbeiten.

„Dass also nicht-akademische und akademische zusammen am gleichen Patienten ihre Handgriffe und ihr Handwerk lernen“, beschrieb der Verantwortliche das Ziel. Die bisherigen Grenzen zwischen den Berufsgruppen sollen damit schon während der Ausbildung überwunden werden. „Das wird hier überbrückt“, sagte er, schränkte aber ein: „Soll überbrückt werden, so muss ich sagen.“

Für manche Lausitzer ist die MUL nicht bloß ein neues Universitätsschild am Krankenhaus, sondern die Hoffnung auf eine medizinische Ausbildung direkt vor der eigenen Haustür. cif

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