NEWS / ANSIEDLUNGEN IN SPREE-NEISSE
Der Industriepark Schwarze Pumpe hat seine wichtigste Neuansiedlung verloren. Nun folgen Schuldzuweisungen, warum das viel versprechende Batterieprojekt des australischen Unternehmens Altech beendet wurde.

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Das Ende der geplanten Batteriefabrik von Altech beschäftigt die Lausitz seit der Verkündigung Ende Juli. Woran hat es gelegen, dass die einzige große Neuansiedlung im Industriepark Schwarze Pumpe gescheitert ist? Das australische Bergbauunternehmen hat sich dazu bedeckt gehalten.
Nun hat sich der Geschäftsführer von Altech in Schwarze Pumpe geäußert. Carsten Baumeister spricht von einer verpassten Chance für Deutschland: „Trotz zugesagter Fördermittel, intensiver Gespräche mit Investoren und Anwendern sowie Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft konnten wir die Gesamtfinanzierung letztlich nicht sichern“, schrieb Carsten Baumeister in der vergangenen Woche auf seinem LinkedIn-Profil.
Baumeister verweist zudem auf „schwierige und wechselnde politische Rahmenbedingungen“, die zum Ende des Projekts geführt hätten.
Bedingungen geändert
So eindeutig sehen das die Verantwortlichen in Sachsen und Brandenburg indes nicht. Dort zeigt man auf Altech und verweist darauf, dass die Ansiedlung nicht ausfinanziert gewesen sei. „Das ist ganz normales Verfahren bei solchen Projekten“, sagte ein Wirtschaftsförderer gegenüber Neue Lausitz. „Unternehmen kündigen eine Ansiedlung an, hoffen auf Förderung und wenn sich die Bedingungen dann ändern, ziehen sie zurück. Dieses Risiko besteht immer.“
Geändert haben sich die Marktbedingungen in der Batteriebranche. Noch vor wenigen Jahren winkten hier hohe europäische Fördersummen – und für Kommunen mit geeigneten Flächen attraktive Investments. Inzwischen hat sich die Branche neu geordnet, vieles in Richtung China.
Für Schwarze Pumpe ist das ein herber Rückschlag. Wenige Monate nach dem Aus des Referenzkraftwerks Lausitz (RefLau) verliert der Industriepark ein zweites Großprojekt. Auch als Mieter im Gründungszentrum Dock3 fällt Altech weg. Dort hatte das Unternehmen ein Büro und eine Werkstattfläche.
Batteriebranche weggesackt
Altech hatte auf die Nähe zu Tesla in Grünheide gesetzt, um sich als Zulieferer früh ins Spiel zu bringen. Nun baut der US-Elektroauto-Gigant seine eigene Batteriefabrik. Das macht Großaufträge an Spezialanbieter aus der Nachbarschaft unwahrscheinlicher.
„Der Bereich Batterie ist uns weitgehend weggesackt“, sagte Brandenburgs Wirtschafts-Staatssekretär Hendrik Fischer Ende August bei der Revierkonferenz des DGB in Hoyerswerda. Dort entspann sich ein Streit auf offener Bühne über die Gründe für das Altech-Aus. Katrin Bartsch, Geschäftsführerin der Stadtwerke Weißwasser und Vertreterin der Wirtschaftsinitiative Lausitz, wies der Verwaltungsseite einen Großteil der Verantwortung zu. Die Ansiedlung wäre mit mehr Engagement der zuständigen Stellen vielleicht nicht gescheitert, so Bartsch. Dem widersprach Jörg Huntemann, Lausitz-Beauftragter aus Dresden, dass hier nun mal ein Unternehmen eine wirtschaftliche Entscheidung getroffen hätte.
Alte Kontakte mobilisiert
Dennoch hält sich die Überzeugung, dass mehr Förderung nötig gewesen wäre. Die vertrat der SPD-Politiker Ulrich Freese jüngst im Kreistag von Spree-Neiße: „Wie kann es sein, dass so ein Projekt scheitert, wo es doch eine europäische Batterie-Strategie gibt?“, fragt der langjährige Bundestagsabgeordnete.
Auch der Zweckverband Industriepark Schwarze Pumpe hofft auf Europa. Ende September lud sich die Betreibergesellschaft ASG Spremberg den Europaabgeordneten Christian Ehler (CDU) ein. Ihm zeigte die designierte ASG-Geschäftsführerin Maria Marquardt die Erweiterungsflächen, die bereits als Net-Zero-Valley-Flächen ausgewiesen sind. Hier will der Industriepark weiter wachsen, obwohl die Grundstücke von Alteck und dem RefLau wieder zur Verfügung stehen. „Mit schnellen Verfahren und europäischer Rückendeckung werden wir noch attraktiver für Investoren“, sagte Marquardt.
Auch auf Bundesebene mobilisiert Spremberg – zusammen mit den Kollegen der Lausitz-Runde – alte Kontakte. Eine Delegation des Kommunalbündnisses besuchte vergangene Woche Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD). Der hatte sich in seiner früheren Funktion als Ostbeauftragter der Ampel-Koalition für die Anliegen der Lausitzer Kommunen stark gemacht. Nun sicherte er Unterstützung für das Net Zero Valley zu.