Teure Rettungsaktion für Kamenz  

16. Juni 2026

LEITARTIKEL / GESUNDHEIT IN DER OBERLAUSITZ 

In einer Hauruck-Aktion hat der Kreistag Brautzen das Krankenhaus Kamenz mit Geld beglückt, um die Geburtsklinik zu erhalten. War das richtig? 

Der Kreis Bautzen hat Ende Mai einen Kraftakt hingelegt. Mehr noch: Die Notrettung der Geburtsstation in Kamenz war eine politische Feuerwehraktion. In letzter Minute machte der Kreistag eine halbe Million Euro locker, damit die Klinik noch bis Jahresende weiterbestehen kann – und bewies damit auf beeindruckende Weise die Handlungsfähigkeit der kommunalen Ebene. Das war richtig – aber nur aus diesem einen Grund. 

Denn gleichzeitig hat der Kreistag einen heiklen Präzedenzfall geschaffen – und einem Krankenhausbetrieb, der offensichtlich falsch geplant hatte, mit öffentlichem Geld aus der Patsche geholfen. Das Kamenzer Krankenhaus St. Johannes hat gegen alle Regeln praktisch fristlos die Schließung der Station angekündigt. Und ist nun für den Rest des Jahres eine drängende Geldsorge los. Der Kreis hat dafür eine dazubekommen. 

Das alles war möglich durch eine Sondersitzung am Sonntag. Und weil es sich um das heikelste Gesundheitsthema im ländlichen Raum handelt. Eine eigene Geburtsklinik ist nicht nur ein Stück medizinischer Infrastruktur. Es ist ein Strukturfaktor, auf den sich mehr Menschen einigen können als auf den sechsspurigen Ausbau der Autobahn. Dass am Ort Kinder auf die Welt kommen, ist lokale Identität. Darum kämpfen Städte bis aufs Messer – ungeachtet der Kosten. Es ist zudem ein Thema, das sich bestens populistisch ausschlachten lä…