Hightech für Jugendliche – und gegen Gewalt

13. Oktober 2026

HINTERGRUND / DEMOKRATIEBILDUNG IN DER NIEDERLAUSITZ 

Mit den LausitzLabs geht in Cottbus ein Programm an den Start, das Jugendliche für Technik begeistern und vom Rechtsextremismus fern halten soll. Kann das funktionieren mit 3D-Druckern und akzeptierender Jugendarbeit? 

Mit der Technologie kann man auch Häuser drucken: Junge lernt 3D-Drucker im LausitzLab kennen. Foto: Christian Füller

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Christian Füller

Eigentlich sollte die Bundesbildungsministerin selbst an diesem Sonnabend nach Cottbus kommen, um die LausitzLabs zu eröffnen. Doch Karin Prien (CDU) fand dann doch keine Zeit und ließ Brandenburgs Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) allein im  Gründerzentrum Startblock2. Dort und und an vier weiteren Orten der Lausitz können Kinder und Jugendliche demnächst 3D-Drucker ausprobieren und mit Lasercuttern arbeiten. Oder sogenannte „serious games“ spielen, das sind pädagogische Online-Spiele. Bei der Eröffnung des Cottbuser Makerspaces wimmelte es nur so von Kindern und Jugendlichen, die neugierig die digitalen Anwendungen erkundeten.

Die Idee dahinter ist einfach: Junge Menschen sollen Technik nicht nur benutzen, sondern verstehen und selbst gestalten – und das auch in der Fläche, also in Senftenberg, Spremberg, Finsterwalde und Luckau, wo Filialen der LausitzLabs entstehen sollen. Außerdem werden zwei Maker-Mobile mit ihrer Digitaltechnik auf Anforderung zu Schulen oder Jugendzentren fahren – auch in die sächsische Oberlausitz. 

Bedingung dafür ist laut dem Geschäftsführer des Projektträgers, Florian Kerkau: Schulen könnten die mobilen Makerspaces anfragen, um Schüler daran teilhaben zu lassen. „Voraussetzung ist, dass die Lehrkräfte dabei sind. Die können ihre Schüler also nicht einfach bei uns abgeben“, sagte Kerkau zu Neue Lausitz. Der Medienforscher leitet den Landesfachverband Medienbildung Brandenburg (LMB), der medienpädagogische Fortbildungen anbietet und das Brandenburger Netzwerk der Jugendinformations- und Medienzentren betreut.

3D-Druck als Spiel – und industrielle Anwendung

Die Erwartungen in den Eröffnungsreden waren hoch gesteckt. Bildungsminister Hoffmann betonte, dass das Projekt „bestehende Strukturen stärkt: Schulen, Bibliotheken, Jugendzentren“. Der CDU-Politiker verschwieg geflissentlich, dass in seinem Ministerium gerade einschneidende Kürzungen stattfinden. Der Vertreter des Bundesbildungsministeriums, der für Karin Prien eingesprungen war, schwärmte vom größten außerschulischen Lernort, den sein Ministerium fördere. Das Projekt hat eine Laufzeit von fünf Jahren und besitzt ein Budget von 12,6 Millionen Euro.

Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Lars Katzmarek zeigte sich gegenüber Neue Lausitz beeindruckt. Die eingesetzten Technologien der LausitzLabs seien nah an industriellen Anwendungen. In Brandenburg würden mit 3D-Druckern bereits ganze Häuser gebaut. Es sei gut, wenn Kinder solche Verfahren spielerisch kennenlernten. 

Diesen Ansatz verfolgte bereits das „COLab“, ein Transferprojekt der BTU Cottbus-Senftenberg, das die Räume des 2022 eröffneten Startblocks B2 vorher gemietet hatte. Dessen Werkstätten mit teurer Technik, die ursprünglich Jugendliche fürs Handwerk erwärmen sollten, dienen nun der praktischen digitalen Aufklärung. Die Technik des COLab wurde teilweise übernommen, die LausitzLab-Filialen wurden mit Mitteln des Bildungsministerium des Bundes neu ausgestattet.

An der technischen Innovation bestehen also wenig Zweifel. Interessanter ist allerdings, was bei der Eröffnung nicht thematisiert wurde. Denn laut der Aufgabenzuschreibung für den Projektträger LMB gehört auch Deradikalisierung zum Auftrag der LausitzLabs. „Der sozialpädagogische Ansatz ist natürlich, da eine Beziehung zu den Leuten aufzubauen und wenn die Beziehung belastbar ist, dann mit Interventionen zu starten“, sagte ein LMB-Mitarbeiter zum Umgang mit autoritär oder gar rechtsextrem eingestellten Jugendlichen.

Zweifel an der akzeptierenden Jugendarbeit

Unter Sozialpädagogen in der Lausitz bestehen allerdings Zweifel, ob Making-Angebote Jugendliche aus rechtsextremen Milieus überhaupt erreichen. Ein Makerspace sei schließlich „kein Ort der Re-Education“, sagte ein Sozialpädagoge aus der außerschulischen Bildungsarbeit Neue Lausitz. Man könne nicht einfach davon ausgehen, dass sich linke und rechte Jugendliche gemeinsam an einen 3D-Drucker setzten. Zugespitzt formuliert: Der eine wolle eine Pistole drucken, der andere lieber eine Schwerter-zu-Pflugscharen-Plastik. „Die gehen nicht in den selben Club“, lautet die nüchterne Einschätzung. Das bedeutet viel Arbeit für die wissenschaftliche Begleitung der LausitzLabs durch die Unis Potsdam und Cottbus.

Die Debatte ist nicht neu. Schon Anfang der 1990er-Jahre wollte man mit Hilfe der akzeptierenden Jugendarbeit rechtsorientierte Jugendliche integrieren, statt sie auszugrenzen. Die Grenzen dieses Ansatzes wurden später unter anderem in der Aufarbeitung der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) diskutiert. Dessen Haupttäter hatten einen Jugendclub in Jena-Winzerla besucht – und sich dort möglicherweise radikalisiert. Auch dort wurde eine akzeptierende Jugendarbeit praktiziert. 

Damals waren nach der Wiedervereinigung Jugendclubs und andere Strukturen der DDR-Jugendarbeit quasi flächendeckend geschlossen worden. Die Bundesregierung reagierte mit einem Aktionsprogramm gegen Aggression und Gewalt, das akzeptierende Jugendarbeit erstmals zum Regierungs-Konzept machte. Dafür stellte sie insgesamt 65 Millionen D-Mark bereit. Die Praxis wurde unter Fachleuten als „Glatzenpflege auf Staatskosten“ kritisiert. Verantwortlich war damals eine junge Bundesjugendministerin. Ihr Name: Angela Merkel. 

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