ANALYSE / SCHULEN IN DER LAUSITZ
Das neue Schuljahr bringt in Brandenburg und Sachsen viele Herausforderungen. Akut sind Personallücken zu füllen. Doch auf lange Sicht kehrt sich der Trend um.


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Zum Beginn des Schuljahres in Brandenburg hat Bildungsminister Gordon Hoffmann (CDU) einiges zu verkünden, das sich nicht beschönigen lässt: An den Schulen des Landes fehlen 300 Lehrerinnen und Lehrer, deren Stellen noch unbesetzt sind. Deshalb musste das neue Schuljahr am gestrigen Montag mit spürbarem Mangel beginnen.
„Unsere schlimmsten Befürchtungen haben sich zwar nicht bewahrheitet, dennoch können viele Schulen in Brandenburg die Stundentafel zum Schuljahresbeginn nur unter Nutzung aller Puffer absichern“, sagt der 47-jährige gelernte Erzieher, der seit März Minister für Bildung, Jugend und Sport ist. Die Ursache benennt Hoffmann so: „Im neuen Schuljahr trifft die seit 20 Jahren höchste Schülerzahl auf einen sehr großen Lehrkräftebedarf.“
Die Lage ist doppelt schwierig. Denn der aktuelle Anstieg der Schülerzahlen wird nicht von Dauer sein. Schon in wenigen Jahren geht die Kurve nach unten – und das wird auf lange Sicht so bleiben. Hoffmanns sächsischer Kollege, Kultusminister Conrad Clemens (CDU) sprach – wie berichtet – im Mai, als die Schülerprognose erschien, von der „traurigsten Statistik Sachsen“. Doch auch er hat aktuell ganz andere Prämissen: „Wir werden Unterrichtsausfall im neuen Schuljahr weiter senken“, sagte Clemens, als die Schulen vor einer Woche wieder öffneten. Wie er das machen will, ist noch unklar.
Rückgang in zwei Jahren
In Sachsen hat in der vergangenen Woche für 527.300 Jungen und Mädchen die Schule begonnen. In Brandenburg ging es gestern für 324.400 Schülerinnen und Schüler wieder los. Doch beim Blick auf die Erstklässler ist die die Trendumkehr ist bereits absehbar. Schon in zwei Jahren wird Brandenburg mit weniger Schülern rechnen müssen.
Sachsen büßt bis 2040 wahrscheinlich 20 Prozent seiner Schülerschaft ein. Im Jahr 2040 werden mutmaßlich nur noch 340.000 Kinder und Jugendliche die Klassenräume im Freistaat besetzen. In der Oberlausitz, gerade in Görlitz und Bautzen, dürfte der zu erwartende Verlust sogar noch größer als an weiterführenden Schulen sein: Ein Drittel der Grundschüler sind in knapp 15 Jahren nicht mehr da.
Noch stehen die Zeichen jedoch auf Anstieg, wenn auch nur um 0,3 Prozent, wie Gordon Hoffmann für Brandenburg vermeldete. Doch das bedeutet die Notwendigkeit von mehr Personal, das der Minister nicht zur Verfügung hat. Hoffmann appellierte deshalb an die Lehrkräfte in Teilzeit, über mehr Arbeitsstunden nachzudenken. Das könne schon helfen, um im Kleinen für Entlastung zu sorgen.
Strategien für KI und Digitales
Zumal die Aufgaben der wachsen, die an den Schulen zu leisten sind. Besonders im Digitalen und in der politischen Bildung. Der Zuspruch für Populismus wächst unter jungen Leuten. Jugendliche hängen viele Stunden täglich am Bildschirm. Sie nutzen Tiktok oder Instagram zur politischen Erstinformation – digitale Welten also, in denen neckische Bilder die komplizierte Botschaft ersetzen.
Wie Schule dem begegnen kann, darüber berieten Gordon Hoffmann und Conrad Clemens am vergangenen Donnerstag in Halle/Saale mit ihren Kollegen aus Sachsen-Anhalt und Thüringen. Es war eine Kultusministerkonferenz im Mini-Format – ausgerichtet an den konkreten Problemen von Schulen in Ostdeutschland. Denn Demografie, fehlender Lehrernachwuchs und die immer schwierigere Besetzung von Stellen auf dem Land ziehen sich über Ländergrenzen hinweg.
Wie auch der Komplex Künstliche Intelligenz, dessen Folgen für das Lernen und den Schulbetrieb noch nicht absehbar sind. Für die vier Minister war daher klar, dass es mehr Medien- und Demokratiebildung geben muss. Doch wo und wie das auf den Stundenplänen untergebracht werden soll, ist noch zu klären.
| Schuljahr 2026/2027 | Sachsen | Brandenburg |
| Schüler | 527.300 | 324.400 |
| Erstklässler | 37.700 | |
| Lehrer | 22.311 | |
| Neueinstellungen | 905 | 704 |